„Du musst Dich innerhalb Deiner eigenen Logik denken hören können!“

Performativer Vortrag | Prof. Silvia Beck | „Komplex 200X- künstlerisches Positionieren auf dem globalen Kunstmarkt“

„Du musst Dich innerhalb Deiner eigenen Logik denken hören können!“ Ist ist das nicht genau das, was gemeinhin als Schizophrenie bezeichnet und kaum angestrebt wird? Nicht so auf dem Kunstmarkt, so scheint es zumindest Prof. Silvia Beck behaupten zu wollen.

Silvia Beck

Prof. Silvia Beck stellt ihre Zuhörerinnen auf die Probe, als sie ihnen im Rahmen der Ausstellung „Eine Art Aufruhr- Kunst in Position zu Politik“ die künstlerische Arbeit von Viola Kamp vorstellt. Die Vorstellung ist umfangreich und multimedial: Silvia Beck zeigt nicht nur ein Videointerview mit dem Galeristen der Künstlerin, sondern auch eines mit der Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Maité Vissault. Beide schwärmen in höchsten Tönen von Viola Kamp, prophezeien ihr eine Zukunft sondersgleichen, wirtschaftlichen Erfolg und ein unerhörtes „Standing“ am Kunstmarkt. Vor allem wird klar: Viola Kamp ist Kult. Alles an ihrer Person und an ihrem künstlerischen Schaffen ist dazu gemacht, die Blicke auf sich und ihre Arbeit zu ziehen und sich innerhalb von kürzester Zeit ins Herz des Kunstfeldes zu boxen, immer genau das Gegenteil von dem tuend, was von ihr erwartet wird. Ihre Methode ist die schonungslose Analyse des Umfelds, sie untersucht die Regeln und Absurditäten des Systems Kunstmarkt, und das nicht von außen, als Journalistin oder als Kritikerin sondern von innen: als Künstlerin. Doch wie genau macht sie das? Welche Bilder benutzt sie, welche ruft sie hervor? Die Antwort auf diese Frage bleibt auf eine merkwürdige Art aus. Maité Vissault erzählt ganz viel, aber sagen tut sie eigentlich nichts. Außer: Viola Kamp hat unheimlichen Erfolg. Und sie hat Insiderinformationen direkt aus dem Kunstmarkt.

Was den Kunstmarkt ausmacht, das zeigt Beck anhand von einer schwarz-weißen Diashow, es sind Bilder von Kunstmessen, Ausstellungseröffnungen und Koks, und was nun folgt ist eine Imageberatung für Kulturschaffende mit hilfreichen Tipps wie „arbeite an Deiner Unverwechselbarkeit“ und der Frage danach, ob Künstler, die Erfolg haben, immer zwangsläufig Komplizen des Kapitalismus seien. Wir wissen weder hier, noch nach den gezeigten Interviews, wer diese Viola Kamp eigentlich ist.

Das soll sich ändern, denn Silvia Beck greift zum Computer und es ertönt das Skypesummenplusplopp und dann wird gewählt und Viola Kamp ist an der Wand.  Sie wirkt wie eine Mischung aus der späten Nina Hagen und der guten Bekannten, die man immer grüßt, mit der man aber nie Kaffee trinken wollen würde, weil sie einfach viel zu anstrengend ist.

Viola Kamp | Skypebild

Und das ist Viola Kamp auch: sie redet affektiert und betont entspannt, lümmelt sich vor der Digicam herum, und schüttet sich lächerliche Schlucke aus einer Volvicflasche in den Rachen und zwar so dass man gar nicht umhin kommt zu denken, es sei keineswegs Wasser, sondern reines Spiritus, oder zumindest doch Vodka in dieser Flasche. Silvia Beck fragt sie nach ihren letzten Arbeiten, nach ihrer herausragenden Reputation und ihrem kometenhaften Erfolgsaufstieg auf dem Kunstmarkt und Viola Kamp ist unendlich weise: „Was für mich zählt ist der Durchblick“ sagt sie, und meint damit, man müsse wissen, wie der Hase läuft, um nicht permanent ausgetrickst zu werden. Und wenn man es doch wird, dann ist man selbst Schuld: „es hat was mit meiner eigenen Unfähigkeit zu tun, wenn ich die ganzen Verschleierungstaktiken nicht checke“. Sie schlängelt ihre riesigen Augen vor die Kamera, so dass nur noch sie an der Wand sind, und sagt: „man muss sich innerhalb seiner eigenen Logik denken hören“.

Viola Kamp ist also „agent provocateur“ auf dem Kunstmarkt, ist bekannt wie ein bunter Hund, hat die Strukturen durchschaut und weiß dieses Wissen anzuwenden. Silvia Beck erzählt davon, sie ist auch Insiderin, denn sie kennt Viola Kamp ja persönlich, und verweist immer wieder auf vermeintliches kollektives Wissen. Sie spielt an auf Arbeiten von Viola Kamp „naja sie hat da mit scharfer Munition geschossen“ damals im Hamburger Bahnhof, aber näher will Silvia Beck jetzt nicht darauf eingehen. Vereinzelt verständnisvolles Nicken im Publikum. Alle einigen sich auf ein gemeinsames vorhandenes Wissen. Oder zumindest auf eine Wissenslücke die später heimlich vergoogelt werden muss. Ja. So funktioniert es doch, oder? Sind wir jetzt der Kunstmarkt?

Viola Kamp hat alles verstanden, wovon Silvia Beck spricht in „Komplex 200 X- künstlerisches Positionieren auf dem globalen Kunstmarkt“ und das ist genauso wenig ein Zufall, wie die auffallende Ähnlichkeit der Websites der beiden Künstlerinnen.

Die Künstlerin Silvia Beck untersucht auf vielschichtige und provozierende Weise die Strukturen des Kunstmarktes und lässt, wie es sich wohl zu gehören scheint: alle Fragen offen.

ht

http://www.silviabeck.de/index.php

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